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Medizinische 3D-Darstellung der Knochenregeneration: Weiße Bioglaspartikel gehen über rosafarbenes Gewebe in neu gebildete poröse Knochenstruktur über.

Knochenaufbau mit Bioglas

Kurz erklärt:

  • Beim Knochenaufbau mit Bioglas wird ein synthetisches, mineralisches Material in einen Knochendefekt eingebracht.
  • Das bioaktive Glas reagiert an seiner Oberfläche mit Blut und Gewebeflüssigkeit.
  • Es kann als Gerüst für die Knochenregeneration im Kiefer dienen.
  • Das Keramikimplantat kann im selben Eingriff oder nach der Einheilphase eingesetzt werden.

Fehlt im Kiefer ausreichend stabiler Knochen, kann ein Zahnimplantat häufig nicht sofort sicher eingesetzt werden. Ursache können länger bestehende Zahnlücken, Parodontitis, chronische Entzündungen, frühere Zahnentfernungen oder der Verlust eines Implantats sein. In solchen Fällen kann ein Knochenaufbau mit Bioglas dabei helfen, den Defekt aufzufüllen und günstige Voraussetzungen für die körpereigene Knochenregeneration zu schaffen.

Weiße Bioglaspartikel lagern sich an einer Zahnwurzel an und unterstützen die Bildung von porösem, durchblutetem Knochengewebe.

Warum kann ein Knochenaufbau notwendig sein?

Der Kieferknochen bleibt vor allem dort erhalten, wo er regelmäßig belastet wird. Fehlt ein Zahn, kann sich der Knochen in diesem Bereich allmählich zurückbilden. Auch Parodontitis, Entzündungen, Zysten oder frühere chirurgische Eingriffe können einen Verlust von Knochenvolumen verursachen.

Ob ein Kieferknochenaufbau notwendig ist, beurteilen wir anhand der Knochenhöhe und -breite, der Gewebequalität, der Durchblutung und des Zahnfleischzustands. Soll später ein Implantat eingesetzt werden, muss ausreichend stabiler Knochen für eine sichere Verankerung vorhanden sein.

Was ist bioaktives Glas?

Bioglas ist kein gewöhnliches Glas. Es handelt sich um ein speziell entwickeltes anorganisches Biomaterial, das mit seiner biologischen Umgebung reagieren kann. Abhängig vom verwendeten Produkt enthält es mineralische Bestandteile wie Silizium, Calcium, Phosphat und Natrium.

Als synthetisches Knochenersatzmaterial wird das Material in den Knochendefekt eingebracht. Dort soll es nicht einfach nur einen Hohlraum füllen. Seine Oberfläche verändert sich nach dem Kontakt mit Körperflüssigkeiten und kann dadurch eine Verbindung zum umliegenden Gewebe fördern.

Für viele Patientinnen und Patienten ist außerdem wichtig, dass Bioglas als Knochenersatz synthetisch hergestellt werden kann. Je nach verwendetem Präparat ist damit ein Knochenaufbau ohne tierische Bestandteile möglich. Eine zusätzliche Entnahmestelle für körpereigenen Knochen lässt sich bei geeigneten Defekten ebenfalls vermeiden.

Wie funktioniert der Knochenaufbau mit Bioglas?

Nach dem Einbringen dringt Körperflüssigkeit in das bioaktive Glas ein. Dabei werden Natrium-, Calcium-, Phosphat-, Silikat- und Hydroxidionen freigesetzt. Zunächst bildet sich auf dem Material eine Silicagelschicht. Darauf entsteht eine knochenähnliche Apatitschicht aus Calcium und Phosphat.

An dieser Oberfläche lagern sich Proteine und körpereigene Wachstumsfaktoren an. Anschließend besiedeln Makrophagen das Material und begleiten die frühe Heilungsreaktion. Danach wandern knochenbildende Zellen, sogenannte Osteoblasten, ein. Sie bilden neue Knochenmatrix, die schrittweise mineralisiert wird.

So entsteht neuer Knochen, der sich mit dem Material verbindet. Das Bioglas liefert somit keinen fertigen Knochen, sondern schafft eine bioaktive Kontaktfläche für die körpereigene Knochenneubildung. Die Infografik zeigt diesen Wirkmechanismus in acht aufeinanderfolgenden Schritten.

Querschnitt eines Knochendefekts: Weißes, körniges bioaktives Glas füllt die Vertiefung zwischen dem porösen Knochen aus.

Benetzung durch Körperflüssigkeit

Das bioaktive Glas wird von Blut und Gewebeflüssigkeit umgeben und tritt mit seiner biologischen Umgebung in Kontakt.

Zwei mit H₂O beschriftete Wassermoleküle und Pfeile zeigen, wie Wasser von oben in das bioaktive Glas eindringt.

Entstehung einer hydratisierten Kieselsäureschicht

Wasser (H₂O) dringt in die Glasoberfläche ein. Dadurch bildet sich eine wasserhaltige Kieselsäureschicht.

Pfeile zeigen die Freisetzung von Na⁺, Ca²⁺, PO₄³⁻, Si(OH)₄, OH⁻ und Mg²⁺ aus dem bioaktiven Glas in die Umgebung.

Abgabe gelöster Ionen

Natrium (Na⁺), Calcium (Ca²⁺), Phosphat (PO₄³⁻), Kieselsäure (Si(OH)₄), Hydroxid (OH⁻) und Magnesium (Mg²⁺) werden an die Umgebung abgegeben.

Das bioaktive Glas ist von mehreren dünnen Grenzschichten umgeben. An der Oberseite hat sich eine gewellte Calcium-Phosphat-Schicht gebildet.

Aufbau einer Calcium-Phosphat-Schicht

Die freigesetzten Ionen reagieren miteinander und bilden eine amorphe Calcium-Phosphat-Schicht auf der Glasoberfläche.

Grüne Wachstumsfaktoren und blaue Proteine schweben über dem Defekt oder liegen bereits auf der Calcium-Phosphat-Schicht des Glases.

Bindung biologischer Signalstoffe

Wachstumsfaktoren (Grün) und Proteine (Blau) lagern sich an der neu entstandenen Calcium-Phosphat-Schicht an.

Lila Makrophagen sowie grüne Wachstumsfaktoren und blaue Proteine schweben über der Oberfläche oder haben sich darauf abgesetzt.

Anlockung von Immunzellen

Makrophagen (Lila) wandern zur Oberfläche. Sie fördern die Freisetzung von Zytokinen und weiteren Wachstumsfaktoren (Grün).

Rosa Osteoblasten befinden sich im angrenzenden Knochen. Lila Makrophagen, grüne Wachstumsfaktoren und blaue Proteine liegen auf der Oberflächenschicht.

Anheftung und Reifung von Knochenzellen

Osteoblasten (Rosa) heften sich an der Oberfläche an, vermehren sich und entwickeln sich zu aktiven knochenbildenden Zellen.

Eine neu gebildete goldene Knochenschicht überspannt den Defekt. Rosa Osteoblasten liegen im Knochen, weitere Zell- und Proteinpartikel auf der Oberfläche.

Aufbau von neuem Knochengewebe

Eine neue Knochenmatrix entsteht und mineralisiert. Dadurch wird das bioaktive Glas schrittweise durch körpereigenen Knochen ersetzt.

Welche Rolle spielt Bioverit®?

Bei Bioverit® handelt es sich um eine bioaktive Glaskeramik-Beschichtung auf dem Keramikimplantat. Sie ist daher von dem Bioglas zu unterscheiden, das als Knochenersatzmaterial in den Defekt eingebracht wird.

Die strukturierte Bioverit®-Beschichtung soll günstige Voraussetzungen dafür schaffen, dass sich Knochen- und Bindegewebszellen an der Implantatoberfläche anlagern. Dadurch kann die Verbindung zwischen Keramikimplantat, Knochen und umgebendem Gewebe unterstützt werden.

Die beiden Materialien erfüllen somit unterschiedliche Aufgaben:

  • Bioaktives Glas unterstützt die Regeneration des Knochendefekts.
  • Bioverit® befindet sich auf der Oberfläche des Keramikimplantats.

Beide Komponenten können innerhalb eines biologisch ausgerichteten Behandlungskonzepts miteinander kombiniert werden.

Welche Vorteile kann das Verfahren bieten?

Ein biologischer Knochenaufbau verfolgt das Ziel, möglichst gute Bedingungen für die Bildung körpereigenen Gewebes zu schaffen. Entscheidend sind nicht nur die Materialeigenschaften, sondern auch eine sorgfältige Reinigung des Defekts, eine stabile Lagerung, eine gute Blutversorgung und ein spannungsarmer Wundverschluss.

Mögliche Vorteile des bioaktiven Glases sind:

  • synthetische, je nach Produkt tierfreie Herstellung,
  • keine zusätzliche Entnahmestelle,
  • bioaktive mineralische Oberfläche,
  • Unterstützung der Zell- und Knochenanlagerung,
  • Kombination mit A-PRF oder Eigenknochen.

Auch das Bioverit®-beschichtete Keramikimplantat fügt sich in diesen Ansatz ein. Keramikimplantate kommen ohne Titan aus und eignen sich für Patientinnen und Patienten, die Wert auf eine möglichst metallfreie Versorgung legen.

Für wen kommt das Verfahren infrage?

Ein Aufbau mit Bioglas kann bei begrenzten Knochendefekten, nach Zahnentfernungen oder zur Vorbereitung einer Implantation erwogen werden. Auch beim Knochenaufbau für Keramikimplantate kann das Material eingesetzt werden.

Ob das Verfahren geeignet ist, hängt insbesondere von Größe und Form des Defekts, der Knochenqualität, dem Zahnfleischzustand, möglichen Entzündungen und der erforderlichen Implantatstabilität ab.

Bei umfangreichen oder ungünstig geformten Defekten kann es notwendig sein, Bioglas mit Eigenknochen oder weiteren Materialien zu kombinieren. Ein einzelnes Knochenersatzmaterial eignet sich nicht für jede klinische Situation.

Bioglas oder Eigenknochen: Was ist besser?

Die Frage nach Bioglas oder Eigenknochen lässt sich nicht pauschal beantworten. Eigenknochen gilt als besonders biologisch aktiv, weil er körpereigene Zellen und Wachstumsfaktoren mitbringt. Seine Gewinnung kann jedoch eine zusätzliche Entnahmestelle erforderlich machen.

Bioaktives Glas steht direkt zur Verfügung und kann bei geeigneten Defekten ohne eine zusätzliche Knochenentnahme eingesetzt werden. Es benötigt allerdings ein gut durchblutetes Umfeld und eine stabile Einbettung, damit neuer Knochen in den Bereich einwachsen kann.

Bei kleineren Defekten kann ein synthetisches Material allein ausreichend sein. Bei größeren Aufbauten ist eine Mischung mit Eigenknochen häufig sinnvoller. Die Materialwahl erfolgt daher immer individuell.

Kombination mit A-PRF

A-PRF ist eine aus dem eigenen Blut gewonnene Fibrinmatrix. Sie enthält unter anderem Blutplättchen, Leukozyten und körpereigene Botenstoffe. Während Bioglas ein mineralisches Gerüst bildet, unterstützt A-PRF vor allem die Wundheilung und das Weichgewebsmanagement.

Beide Verfahren können daher kombiniert werden. Das Bioglas wird in den Defekt eingebracht, während A-PRF das Material ergänzen oder den aufgebauten Bereich abdecken kann. Auf diese Weise werden ein mineralisches Gerüst und körpereigene regenerative Bestandteile miteinander verbunden.

Ausführliche Informationen finden Sie auf unserer Leistungsseite zum Knochenaufbau mit A-PRF-Membran.

Gleichzeitig implantieren oder zunächst einheilen lassen?

Ob der Knochenaufbau mit Bioglas und die Implantation in einem Eingriff erfolgen können, hängt vor allem davon ab, ob sich das Keramikimplantat im vorhandenen Eigenknochen stabil verankern lässt.

Ist eine sichere Primärstabilität erreichbar, kann der Aufbau rund um das Implantat erfolgen. Reicht der vorhandene Knochen dafür noch nicht aus, wird zunächst der Defekt aufgebaut. Nach der Einheilphase prüfen wir, ob genügend reifer Knochen für das Keramikimplantat vorhanden ist.

Im biologischen Behandlungskonzept bevorzugen wir die Implantation im selben Eingriff, sofern sich das Keramikimplantat sicher im vorhandenen Eigenknochen verankern lässt. Ist dies nicht möglich, wird zunächst der Knochendefekt aufgebaut und das Implantat nach der Einheilphase eingesetzt.

Wie läuft die Behandlung bei Biodental Hamburg ab?

Am Anfang stehen eine gründliche Untersuchung und die bildgebende Beurteilung des Knochendefekts. Anschließend planen wir, welche Form des Aufbaus geeignet ist und ob das Bioverit®-beschichtete Keramikimplantat sofort oder nach einer Heilungsphase eingesetzt werden kann.

Während des Eingriffs wird der Knochendefekt sorgfältig gereinigt und für den Aufbau vorbereitet. Anschließend bringen wir das bioaktive Glas ein und kombinieren es je nach Befund mit Eigenknochen oder A-PRF. Der Heilungsverlauf wird regelmäßig kontrolliert.

Medizinische Darstellung eines Knochendefekts mit Bioglas-Granulat, einwachsendem Gewebe und neu entstehenden Knochenstrukturen.

Heilung und Nachsorge

Die oberflächliche Wundheilung erfolgt deutlich schneller als die eigentliche Reifung des Knochens. Der neue Knochen benötigt Zeit, um sich aufzubauen, zu mineralisieren und belastbar zu werden. Wie lange dieser Prozess dauert, hängt von der Defektgröße, dem verwendeten Material, der Lage im Kiefer und der individuellen Heilungsfähigkeit ab.

Sie können die Regeneration unterstützen, indem Sie:

  • das Operationsgebiet schonen,
  • nicht rauchen,
  • die empfohlenen Hygienemaßnahmen beachten,
  • Kontrolltermine zuverlässig wahrnehmen,
  • den behandelten Bereich nicht vorzeitig belasten.

Persönliche Beratung in Hamburg

Ein erfolgreicher Knochenaufbau beginnt mit einer präzisen Diagnose und einer individuellen Planung. Bei Biodental Hamburg prüfen wir, ob bioaktives Glas für Ihren Knochendefekt geeignet ist und ob im selben Eingriff oder nach der Einheilphase ein Bioverit®-beschichtetes Keramikimplantat eingesetzt werden kann.

Dabei betrachten wir nicht nur das fehlende Knochenvolumen, sondern die gesamte biologische Ausgangssituation. Ziel ist eine verträgliche, funktionelle und langfristig stabile Versorgung.

FAQ Knochenaufbau mit Bioglas in Hamburg

Ist Bioglas wirklich aus Glas?

Es handelt sich um ein speziell entwickeltes mineralisches Biomaterial und nicht um gewöhnliches Fenster- oder Trinkglas. Seine Zusammensetzung ist darauf ausgelegt, an der Oberfläche mit Körperflüssigkeiten zu reagieren.

Bleibt das Material dauerhaft im Kiefer?

Das hängt von Glaszusammensetzung, Partikelgröße und Einbausituation ab. Einige Materialien werden teilweise umgebaut oder resorbiert, andere Anteile können länger nachweisbar bleiben.

Ist Bioglas frei von tierischen Bestandteilen?

Das bei Biodental Hamburg verwendete Bioglas wird synthetisch hergestellt und enthält keine tierischen Bestandteile.

Kann Bioglas eine Eigenknochenentnahme vermeiden?

Bei kleineren und geeigneten Defekten kann das möglich sein. Größere Defekte benötigen unter Umständen Eigenknochen oder eine Kombination verschiedener Materialien.

Ist der Eingriff schmerzhaft?

Die Behandlung erfolgt unter Betäubung. Danach können vorübergehend Schmerzen, ein Druckgefühl und Schwellungen auftreten. Sie erhalten individuelle Hinweise zur Nachsorge.

Kann gleichzeitig ein Keramikimplantat gesetzt werden?

Das ist möglich, wenn ausreichend stabiler Eigenknochen vorhanden ist und das Implantat sicher verankert werden kann. Andernfalls erfolgt die Implantation nach der Heilungsphase.

Wie lange dauert die knöcherne Heilung?

Die Dauer ist individuell und kann mehrere Monate betragen. Defektgröße, Lage, Materialkombination, Durchblutung und allgemeine Gesundheit beeinflussen den Verlauf.

Kann Bioglas mit A-PRF kombiniert werden?

Ja, je nach Behandlungskonzept können bioaktives Glas und körpereigene PRF-Matrizes miteinander kombiniert werden. Beide übernehmen unterschiedliche Aufgaben.

Welche Risiken bestehen?

Wie bei jedem chirurgischen Eingriff können unter anderem Schwellungen, Nachblutungen, Infektionen oder Wundheilungsstörungen auftreten. In einzelnen Fällen bildet sich nicht ausreichend stabiler Knochen, sodass eine ergänzende Behandlung notwendig werden kann. Eine sorgfältige Diagnostik und Nachsorge helfen, die Risiken zu reduzieren.

Übernimmt die Krankenkasse die Kosten?

Ein Knochenaufbau mit Bioglas wird von den gesetzlichen Krankenkassen in der Regel nicht übernommen und muss privat bezahlt werden. Für den späteren Zahnersatz kann ein befundbezogener Festzuschuss gewährt werden. Private Kranken- oder Zusatzversicherungen erstatten die Kosten abhängig vom vereinbarten Tarif.

Termine und Beratung

Kontaktieren Sie uns, wenn Sie weitere Fragen zum Thema Knochenaufbau mit Bioglas haben.
Wir beraten Sie gern in einem persönlichen Gespräch in unserer Zahnarztpraxis für Biologische Zahnmedizin.

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